«Ganzheit» ganz praktisch erklärt…und ein Besuch im Museum

Auszug aus dem Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache:
Ganz-ergänzen-Gänze-Ganzheit-gänzlich
Ganz Adj.»heil, unversehrt, vollständig, gesamt
-heit für Gestalt, Person, Stand Wesen, Art und Weise, und verwandt mit
heiter Adj.»hell, sonnig, klar, strahlend, fröhlich, vergnüglich.

Wir stehen vor einem grossen, farbenprächtigen Wandbild. Es zeigt einen Ort im Orient vor langer Zeit. Darauf zu sehen ist ein wundervoller Palast, und davor eine grosse Palme an der ein mächtiger Elefant angebunden ist. Um diesen herum stehen fünf edel gekleidete Gelehrte, die an unterschiedliche Stellen das Tier mit den Händen berühren. Einer am Ohr, ein anderer am Bein, ein dritter am Rüssel, wieder ein anderer am Schwanz und der fünfte am Rumpf.

Dazu gibt es eine kleine Geschichte.
«Fünf blinde Gelehrte wurden vom König beauftragt, herauszufinden, was ein Elefant ist.
Jeder ertastete einen anderen Teil des Elefanten und beschrieb ihn unterschiedlich: als langen Arm (Rüssel), großen Fächer (Ohr), dicke Säule (Bein), kleine Strippe mit Haaren (Schwanz) und große Masse mit Rundungen und Borsten (Rumpf).
Der König war erst erstaunt, erkannte jedoch, dass jeder nur einen Teil des Ganzen beschrieben hatte, und verband ihre Beschreibungen zu einem vollständigen Bild des Elefanten.»

Übertragen in die Praxis bedeutet dies, dass ein Mensch*der sich mit einer Beschwerde zu einer Behandlung in meiner Praxis meldet, die Beschwerde ein Teil des Ganzen ist. Darauf zu schauen mit einem ganzheitlichen Blick bedeutet für mich: Was beschäftigt ihn sonst noch?
Wie und wo lebt er? Wie ist das Soziale Netzwerk, was tut ihm gut, was weniger. Wie sieht der Berufliche Alltag aus, Freizeit, Hobbies etc. Gefühle und Emotionen die Raum brauchen, die sich möglicherweise zeigen, und gesehen werden wollen. Die individuelle Geschichte des Menschen zu berücksichtigen als wichtiger Teil zu mehr Gesundheit.
Es geht um eine Begegnung mit einem Blick ähnlich dem im Museum. Weit genug entfernt zu stehen, um das ganze Bild zu sehen. Ein Blick aus einer entspannten Haltung heraus innerlich zurückgelehnt, aufmerksam, vorbehaltlos, um sich berühren zu lassen. Und dabei zu bedenken, dass wir (Du und Ich) unsere Augen möglicherweise auf einen anderen Teil des Bildes richten. Sachte, und im individuellen Tempo kann etwas entstehen was zur Stärkung und tiefen Unterstützung des innewohnenden Gesunden beiträgt. Dann ist eine Veränderung möglich hin zu einem Gefühl von Kohärenz.

Wie Hippokrates vor mehr al 2000 Jahren treffend formuliert hat:» Es ist wichtiger zu wissen, welcher Mensch eine Krankheit hat, als zu wissen welche Krankheit ein Mensch hat.»

*(«Mensch», die geschlechtsneutrale Bezeichnung für alle menschlichen Wesen)